Wie ein bedingungsloses Grundeinkommen unser Leben verändern könnte

Das bedingungslose Grundeinkommen wird bereits seit geraumer Zeit kontrovers diskutiert. Unternehmenslenker wie der Telekom-Chef Timotheus Höttges oder der Siemens-Chef Joe Kaeser sowie der Gründer und Aufsichtsrat von dm-drogerie markt, Prof. Götz W. Werner, setzen sich für die Idee ein.

Doch wie sieht das Prinzip „Bedingungsloses Grundeinkommen“ genau aus? Schlicht gesagt erhielte jeder Bundesbürger rund 1000 Euro im Monat, sodass jeder bescheiden aber menschenwürdig leben kann, ohne dafür arbeiten zu müssen und unabhängig von sonstigen Einkünften. Sozialleistungen wie Arbeitslosen- und Kindergeld fielen weg, die Grundsicherung könnte über eine Konsumsteuer finanziert werden.

Paradiesische Zustände

Für Götz W. Werner ist Einkommen ein Bürgerrecht: „Die Würde und die Freiheit des Menschen beinhalten das Recht, nein sagen zu können. Diese Freiheit hat nur der, dessen Existenzminimum gesichert ist. Die Forderung nach einem bedingungslosen Grundeinkommen ruht damit auf der zentralen Grundlage unserer Verfassung: Die Würde des Menschen ist unantastbar.“

Damit spricht er einen Aspekt an, den die meisten Befürworter des Grundeinkommens teilen: Hartz IV verstoße gegen die Würde des Menschen und damit gegen Artikel eins des Grundgesetzes und nehme den Bürgern das Recht auf Berufs- und Wohnungsfreiheit.

Da sich in der heutigen Gesellschaft niemand mehr vollkommen autonom versorgen kann, sei jeder auf Produkte und Dienstleistungen anderer angewiesen. Leben ohne Einkommen sei den Befürwortern des Grundeinkommens zufolge nicht möglich, ebenso wenig eine aktive Teilhabe am gesellschaftlichen Leben.

Weiterhin erhielten Bürger die Chance, einen Beruf unabhängig vom Einkommen zu wählen – eine grundlegende, menschenwürdige Versorgung wäre ihnen in jedem Fall zugesichert. Dies führe zu mehr Aufgeschlossenheit und Investitionsbereitschaft in der Bevölkerung, was auch das Unternehmertum ankurbeln könne. Abgesicherte und somit zufriedenere Bürger seien zudem nicht so anfällig für radikale oder extremistische Strömungen. Soweit die Perspektive derer, die das bedingungslose Grundeinkommen als eine Chance für die Menschen ansehen. Doch wie argumentiert die Gegenseite?

Die verbotene Frucht

Zunächst bestünde ein Problem darin, dass weniger Menschen nach Erhalt eines bedingungslosen Einkommens arbeiten möchten. Mit dieser Einstellung würden zu wenig Menschen arbeiten, sodass die Wirtschaft stagnieren würde. Gegen das bedingungslose Grundeinkommen spricht sich auch Michael Hüther, Wirtschaftsforscher und Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln, aus: „Das bedingungslose Grundeinkommen ist eine kulturelle Fiktion, das eine hohe gesellschaftliche Sprengkraft in sich birgt. Im Kern propagiert es die Idee, leistungslose Einkommen aus Leistungseinkommen zu finanzieren. Mit unserem aktuellen Gesellschaftsvertrag ist ein solches Konzept nur schwerlich zu vereinbaren“. Außerdem meinen Kritiker des bedingungslosen Grundeinkommens, Arbeitgeber würden ihren Beschäftigten entsprechend weniger zahlen, da deren Überleben bereits gesichert sei. Eine wirkliche Umverteilung finanzieller Mittel fände so nicht statt.

Zuletzt sei ein bedingungsloses Grundeinkommen kaum mit den staatlichen Einnahmen zu decken. Um jedem Bürger monatlich 1000 Euro zahlen zu können, wäre fast eine Billion Euro notwendig. Bund, Länder und Kommunen hatten 2016 jedoch „lediglich“ 650 Milliarden Euro eingenommen.

Laut „Wirtschaftswoche“, die sich auf eine Umfrage des Marktforschungsinstituts Ipsos beruft, sprechen sich zurzeit 52 Prozent der Deutschen für ein bedingungsloses Grundeinkommen aus. In einer möglichen Jamaika-Koalition auf Bundesebene fände das Konzept jedoch kaum Befürworter in den Parteispitzen. Kanzlerin Angela Merkel erwartet beispielsweise, dass im Zuge der Digitalisierung mehr gut bezahlte Arbeitsplätze entstehen werden. Ob sich das Konzept des bedingungslosen Grundeinkommens durchsetzen wird, bleibt abzuwarten.

Prof. Götz W. Werner beim 2. CSR Kommunikationskongress

Der Befürworter des bedingungslosen Grundeinkommens, Prof. Götz W. Werner, wird beim 2. CSR Kommunikationskongress, der am 9. und 10. November im Zentrum der Deutschen Bundesstiftung Umwelt stattfindet, die Keynote halten. Am Abend des 9. Novembers wird er die Gäste des Kongresses im Friedenssaal des Rathauses in Osnabrück begrüßen.

Text: Wiebke Beck

Veranstalter

Der Kongress wird veranstaltet durch

DPRG


Unterstützt durch den Partner

DPRG

Gefördert durch

DPRG

Sponsoren





























Partner







Medienpartner



































Folgen Sie uns

 

Veranstalter

image

image

image