Frage 1: Welche Ziele verfolgen Veranstalter von Nachhaltigkeitswettbewerben und was bedeutet dies für die Unternehmen, die an den Wettbewerben teilnehmen möchten? 

Dr. Gebhardt: Das Ziel vieler Vergabeinstitutionen ist es, Unternehmen eine Plattform zu geben ihre besonderen Nachhaltigkeitsleistungen darzustellen. Mit der Verleihung eines Nachhaltigkeitsawards möchten sie den unternehmerischen Beitrag zur Nachhaltigkeitstransformation belohnen und andere Unternehmen zur Nachahmung anregen. Einen Preiserhalt können Unternehmen medienwirksamer kommunizieren als Zertifizierungen oder andere Nachweise ihrer Nachhaltigkeits-Performance. 

Viele unterschiedliche Nachhaltigkeitswettbewerbe bedeuten jedoch auch viele unterschiedliche Ziele. Und nicht jedes Ziel wird mit gleich hohen Maßstäben verfolgt oder umgesetzt. Die Spannweite der Anforderungen von Nachhaltigkeitswettbewerben ist sehr groß. Angesichts von über 150 Nachhaltigkeitswettbewerben und über 500 Preiskategorien, dies sich – pro Jahr – an Unternehmen richten, bedeutet dies für Unternehmen vor allem wenig Übersichtlichkeit, welche Wettbewerbe es gibt und welche für sie geeignet sein könnten. Transparenz, Zugang und Glaubwürdigkeit sind die zentralen Herausforderungen für Unternehmen – und der Maßstab für hochwertige Nachhaltigkeitswettbewerbe.   

Frage 2: Welche Erfolgsfaktoren gibt es bei der Teilnahme an Nachhaltigkeitswettbewerben? 

Dr. Gebhardt: Häufige Gewinner von Nachhaltigkeitsawards sind große, verbraucherorientierte Unternehmen, die gut vernetzt in Verbänden sind und Mut zur öffentlich kommunizierten Nachhaltigkeitsorientierung zeigen. Zu kurz kommen die vielen kleinen Unternehmen – zu Unrecht meinem Eindruck nach. Eine professionelle Bewerbung, bei der die Nachhaltigkeitsleistungen für Dritte verständlich dargestellt werden und deren Besonderheit nachvollziehbar ist, sollte bei Selbstbewerbungen selbstverständlich sein. Wer bereits über Nachhaltigkeit kommuniziert oder einen Nachhaltigkeitsbericht erstellt hat, kann besser von Veranstaltern und Juroren wahrgenommen werden. Wer bereits Daten und Narrative über die eigenen Nachhaltigkeitsleistungen zusammengetragen hat, kann dies auch in einen Nachhaltigkeitswettbewerb einbringen. Die Teilnahme an einem Nachhaltigkeitswettbewerb ist ja nicht der erste Schritt eines Unternehmens, sondern flankiert die Nachhaltigkeits-Reise. Ein erfolgsversprechender Geheimtipp ist es, einen Plan zu erstellen, der nachhaltigkeitsrelevante Schritte oder Projekte im Unternehmen mit der Teilnahme an Wettbewerben verknüpft. Übersicht über die CSR-Awards Landschaft in Deutschland gibt ab Herbst 2022 unser neuer CSR-Award-Finder, der Interessierten interaktiv hilft geeignete Nachhaltigkeitswettbewerbe zu finden.  

Frage 3: „The winner takes it all!“ Wie können Unternehmen, die dann doch nicht ausgezeichnet wurden, dies für ihre Kommunikation – intern und/oder extern – positiv nutzen?

Dr. Gebhardt: Nachhaltigkeitswettbewerbe sind sowohl Teil der Nachhaltigkeitskommunikation als auch der Nachhaltigkeitsbewertung.  Sich mehrmals zu bewerben, bevor man dann den Preis gewinnt, oder bei kleineren, regionalen Wettbewerben zu beginnen, ist nicht unüblich. Letztlich geht es darum, was Unternehmen als „Gewinn“ verstehen wollen. Dies ist oft viel mehr als ein erster Platz und eine überreichte Trophäe. Ein umfassendes Feedback der Vergabeinstitution wird von Unternehmen sehr geschätzt. Sie können ihre Nachhaltigkeits-Performance daran spiegeln und daraus lernen.  

Dr. Beate Gebhardt ist Referentin im Workshop Preise und Rankings in der CSR Kommunikation

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