Silke Stremlau ist Mitglied im Vorstand der Hannoversche Kassen und verantwortet dort die Bereiche Kapitalanlage, Nachhaltigkeit und Personal.

Auf dem 3. Deutschen CSR-Kommunikationskongress ist sie Gast bei der Podiumsdiskussion: „Mischt euch ein! Politische Positionierung als Teil der CSR-Kommunikation“.

Als Vorstandsmitglied eines Unternehmens der Finanzwirtschaft fordern Sie Ihre (wenigen) Kolleginnen und Kollegen der anderen Unternehmen dazu auf, sich gesellschaftspolitisch zu interessieren und engagieren, Haltung zu zeigen und (endlich) Verantwortung für das zu übernehmen, was sie mit ihren Investitionsentscheidungen bewirken. Was wünschen Sie sich genau?

Ich wünsche mir, dass die Verantwortlichen in der Finanzwirtschaft ihren Hebel für die große Transformation sehen und nutzen. Geld anzulegen heißt auch immer, sich für etwas in der Zukunft zu entscheiden und das kann nachhaltig sein oder eben ganz und gar nicht. Finanzakteure befinden sich nicht in einem luftleeren Raum, sondern haben durch ihre Entscheidungen täglich großen Einfluss darauf, ob nicht-nachhaltige Geschäftsmodelle weiter finanziert werden oder nicht.

Welche Reaktionen erzielen Sie bei Ihren Kolleginnen und Kollegen der anderen Unternehmen mit diesen Forderungen und wie gehen Sie damit um?

Das ist verschieden. Einige trennen ihre Verantwortung für die Welt und die Folgen ihres Tuns völlig von ihren Investitionsentscheidungen ab. Die begreifen zum Teil die Forderung erst gar nicht. Wieder andere haben eine Haltung und tun sich mit anderen Investor*innen zusammen, um eine größere Wirkung zu erzielen. Ich habe aber den Eindruck, dass die erste Gruppe immer mehr unter Druck gerät, sei es von der EU-Regulatorik oder von der Jugend durch die Fridays-For-Future-Bewegung.

Viele Manager/Unternehmen fühlen sich nicht legitimiert, politische Statements abzugeben. Was antworten sie ihnen und wo nehmen Sie die Legitimation für die "Einmischung" her?

Mein Verständnis von Politik ist sehr positiv, ich übersetze es mit demokratischen Aushandlungsprozessen um künftige Entwicklungspfade unserer Gesellschaft. Unternehmen sind wichtige Akteure für solche Aushandlungsprozesse. Zum einen sind sie Lernorte für Menschen, in denen verhandelt wird, was richtig, falsch oder zukunftsweisen ist. Zum anderen haben Unternehmen als Stakeholder Verantwortung für die notwendigen sozialen und ökologischen Transformationsprozesse – sie sind Treiber und Getriebene zugleich. Warum sollen sich Manager also nicht politisch artikulieren?

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