Dr. Hubertus Hess-Grunewald ist Präsident des SV Werder Bremen und mit der Verantwortung für Organisation & Sport einer der Geschäftsführer der SV Werder Bremen GmbH & Co. KGaA.

Auf dem 3. Deutschen CSR-Kommunikationskongress ist Dr. Hess-Grundewald zu Gast bei der Podiumsdiskussion: „Mischt euch ein! Politische Positionierung als Teil der CSR-Kommunikation“.

Sehen Sie es als besondere Aufgabe des Sports generell oder auch als Tradition des SV Werder Bremen speziell, sich gesellschaftspolitisch zu positionieren?

Ich sehe den Fußball im Allgemeinen in einer Verantwortung, sich gesellschaftlich zu engagieren und zu positionieren und freue mich, dass wir bei Werder mit unserem Engagement traditionell zu den Leuchttürmen in diesem Bereich gehören. Wir sehen diese Aktivitäten als existenzielle Voraussetzungen für unseren Verein, denn Werder Bremen lebt von der gesellschaftlichen Akzeptanz. Ohne dieses Vertrauen in uns, schickt niemand sein Kind zu uns zum Training, kauft keiner ein Ticket oder ein Trikot oder möchte unser Business-Partner sein. Nur ein Beispiel: Wir leben von der Gewissheit der Fans, dass für erfolgreichen Profi-Fußball Millionen-Umsätze notwendig sind. Dennoch freuen sich die Fans, wenn wir einen Davy Klaassen an uns binden können. Das passiert aber nur weil sie mit Gewissheit sagen können, dass der SV Werder so transparent und glaubhaft wie möglich auf diesem Markt agiert. Dieses Vertrauen aufzubauen und weiter zu stärken, ist unsere Motivation.

Welche Rolle spielen für Sie dabei öffentliche Stellungnahmen, wie Sie es zum Beispiel im Rahmen eines weithin verbreiteten Weser-Kurier-Interviews getan haben?

Solche Interviews sind von Zeit zu Zeit nötig, um die beschriebene Transparenz auch herzustellen. Wir möchten jedem unsere Ausrichtung, unsere Haltung erklären und Hintergründe erläutern. Wir möchten für unsere Werte werben, aber auch daraus entstehende Ableitungen deutlich machen. Sich für seine Überzeugungen öffentlich stark zu machen ist ein wichtiger Beitrag.

Was waren und sind Reaktionen auf derart relativ offensive Äußerungen?

Es war eine Aussage, die sicherlich jeder Werder-Fan, der sich mit uns und unseren Werten identifiziert, unterschreiben kann. Einige AfD-Sympathisanten, die sich bei mir gemeldet haben, kritisierten die angeblich von mir vorgenommene Ausgrenzung, da sie sich nicht in die rechtsradikale Ecke schieben lassen wollten. Aber keiner von denen hat mir mitgeteilt, dass der von mir beschriebene Widerspruch nicht bestünde. Etwa ein Dutzend Mitglieder haben ihre Mitgliedschaft im SV Werder gekündigt. Dennoch sind viele Menschen vielleicht auch nachdenklich geworden.

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